Und dann wurde es lange still.
Nach der zweiten Nacht mit den Kameras am Kadaver brach Tag 3 an. Der Kadaver fing nun wirklich extrem an zu stinken – kein Wunder, mitten im Hochsommer bei hohen Temperaturen. Mein Nachbar, der übrigens selbst sehr neugierig war, meinte, dass der Gestank nun wirklich unerträglich sei und ob wir das Projekt nicht beenden könnten. Ich konnte ihm nur zustimmen – es war tatsächlich ziemlich heftig – und versprach, dass wir den Kadaver noch am selben Tag verlegen würden.
Zum Glück habe ich einen mutigen Sohn. Der hat den Kadaver, mitsamt Tausender Maden, bis zum Waldrand geschleppt – weit genug weg, damit niemand mehr davon belästigt wird – und die Natur ihre Arbeit in Ruhe fortsetzen konnte. Und dann wurde es still … sehr still.
Natürlich kamen noch Füchse und Hirsche auf die Wiese, und wir haben das sehr genossen. Manchmal war es dort hinten fast wie bei Woodstock – große Hirschgruppen grasten seelenruhig die halbe Nacht auf dem Feld.
Bis zum 4. September … plötzlich tauchte ein flüchtiges Foto auf … jawohl – vom Wolf!
Es ging so schnell, dass das Video, das nach der Serie von drei Bildern pro Sekunde startet, keinen Wolfsschwanz mehr zeigte. Ich habe es sicher hundertmal angesehen, um zu prüfen, ob ich nicht doch irgendwo ein kleines Detail übersehen habe. Aber nein – ich musste mich mit diesen Bildern zufriedengeben.
Immerhin hatte ich nun etwas in der Hand. Ich schickte die Fotos an das Wolfsmonitoring – sie erhielten den Status C3a.
Das bedeutet: Unbestätigter Nachweis – Berichte, die aufgrund mangelnder Beweiskraft nicht als offizieller Wolfsnachweis gelten, aber dennoch ein wichtiger Teil der Monitoring-Dokumentation sind, als Hinweis auf eine wahrscheinliche Wolfsanwesenheit.
Verdammt! Blöde Kamera, blöde Bildqualität! Die Aufnahmen reichten einfach nicht für einen vollwertigen C1-Nachweis. Aber egal – mein Tag war gerettet. Ich habe sofort eine neue Wildkamera bestellt. Das musste ich doch besser einfangen können.


